Neues hat es schwer

Neues hat es schwer

Für hohe Komplexität sorgt drittens das umfassende Warenangebot. Allein in Deutschland sind derzeit rund 970.000 Artikel gelistet, Jahr für Jahr kommen 120.000 neu hinzu. Doch nur maximal 10 Prozent der Wareninnovationen können am Markt bestehen, da der Durchschnittsverbraucher hierzulande pro Jahr lediglich rund 2.000 unterschiedliche Produkte kauft – das sind gerade einmal 0,2 Prozent aller angebotenen Artikel.

Groß ist die Auswahl auch im Segment Bier: Mit fast 1.300 Brauereien und rund 5.000 Marken ist der deutsche Biermarkt der kleinteiligste der Welt. „Wer die Vielfalt deutscher Biere kennenlernen möchte, braucht Zeit: um genau zu sein, dreizehneinhalb Jahre“, sagt Reiner Schmitz, Category Manager Beer bei METRO Cash & Carry. „Denn genau so lange würde es dauern, würde man jeden Tag jeweils eine andere Sorte probieren.“ Und auch innerhalb des Segments wächst die Vielfalt – das Traditionsgetränk hat in den vergangenen Jahren eine moderne Note erhalten: Das Angebot reicht von Biermix-Getränken über Fassbrause und glutenfreie Sorten bis hin zu geschmacksintensivem, kunstfertig gebrautem Craft Beer. Vor allem die Nachfrage nach alkoholfreien Sorten ist ungebrochen, wie auch Josef Westermeier, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb der Privatbrauerei Erdinger Weißbräu, bestätigt: „Unser Erdinger Alkoholfrei, mit dem wir seit 2001 am Markt sind, ist bis heute ein Umsatztreiber. Das zeigt für mich, dass Innovationen nicht häufig sein müssen – sie müssen erfolgreich sein. Und das sind sie, wenn ich mit ihnen neue Kunden in die Läden hole.“

Zweitens unterliegen die Erwartungen und Einkaufsgewohnheiten der Kunden einem kontinuierlichen Wandel. Kaufentscheidungen hängen heute von einer Vielzahl von Aspekten ab, die je nach Situation unterschiedlich gewichtet werden. Mal ist die Vielfalt des Warenangebots ausschlaggebend, mal ist es der Preis und wieder ein anderes Mal ein saisonbedingter Impuls. Im Produktsegment Bier spiegeln sich diese veränderten Einkaufsgewohnheiten unter anderem in einem deutlichen Absatzrückgang wider. Nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes tranken die Bundes bürger 2013 nur noch 95 Millionen Liter Bier, der siebte Rückgang in Folge. 2004 waren es noch 106 Millionen Liter. „Diese Entwicklung geht auch am Handel nicht spurlos vorbei“, sagt Angela Pilkmann. „Die Generation der klassischen Biertrinker wird älter und die Jugend bevorzugt andere Getränke. Hinzu kommen der Trend, Bier als Genussmittel zu sehen, und die Wandlung zu leichten und alkoholreduzierten Erfrischungsgetränken.“