Eine kurze Geschichte des Handels

Eine kurze Geschichte des Handels

Kaffee aus Afrika, Tee aus Asien, Kakao aus Amerika und Wein aus Australien. Mit einem Blick auf die Getränkeauswahl eines durchschnittlichen deutschen Supermarkts erkennt man eine der großen Errungenschaften der Globalisierung.

Wir treiben Handel mit aller Herren Länder. Aber ist es nicht eher umgekehrt: Vielleicht hat die Globalisierung den Welthandel nicht ermöglicht, sondern ist selbst eine seiner Folgen? Seit Jahrtausenden transportieren Menschen Güter über weite Strecken, um sie gegen andere zu tauschen. Zu den ältesten Handelsrouten in Mitteleuropa gehört der Westfälische Hellweg von Duisburg bis Höxter bei Paderborn, dessen Alter auf bis zu 5.000 Jahre geschätzt wird. Allerdings gehen Forscher davon aus, dass rund 75 Prozent des Handels damals im Umkreis einer Tagesreise von etwa 20 Kilometern stattfanden. Fernhandel über Land lohnte sich wegen des mühsamen Transports nur bei wertvollen Gütern wie Bernstein und Lapislazuli.

Eine kurze Geschichte des Handels

Höher war das Handelsaufkommen hingegen im Mittelmeerraum. Im zweiten Jahrtausend begannen die Phönizier, ausgehend von der Levante – den Ländern des östlichen Mittelmeerraums –, ihr Handelsimperium aufzubauen, das sich später bis an die Küsten Portugals und Guineas erstreckte. Das Holz der Libanon-Zeder und mit der Farbe der Purpurschnecken gefärbte Tuche tauschten sie gegen Metalle und Erze, die sie als geschickte Handwerker etwa zu wertvollem Schmuck verarbeiteten und wiederum verkauften. Durch den Handel mit dem fortschrittlich verhütteten Eisen der Hethiter trugen sie möglicherweise zum kulturellen Epochenwechsel von der Bronze- zur Eisenzeit im östlichen Mittelmeer bei. Ab 800 v. Chr. wuchs der phönizische Handelsstützpunkt Karthago im heutigen Tunesien zu einem Reich heran, das 600 Jahre später einen politischen Gegenpol zum aufstrebenden Römischen Reich darstellte.

Großreiche fördern den Handel

Der Attische Seebund im antiken Griechenland zeigt, wie politische Umstände die Wirtschaft beeinflussen: Das zur Verteidigung gegen die Perser gegründete Bündnis belebte den Handel zwischen den griechischen Stadtstaaten, unter anderem weil die Rechtssicherheit zunahm. Dies genossen auch die Händler im Römischen Reich. Sie mussten ihre Waren beispielsweise nur an der ersten Provinzgrenze verzollen, die sie überquerten. Ihr Transportnetz war so gut ausgebaut, dass das Getreide aus den Provinzen die Preise in Rom weit drückte. Immer mehr italienische Bauern stellten aus diesem Grund auf Wein- und Olivenanbau oder Rinderzucht um – die Basis für den hohen kulinarischen Lebensstandard römischer Bürger. Später beflügelten Maße und ein Währungsstandard, die im gesamten Imperium galten, den Warenaustausch zusätzlich. Der Handel mit den Römern förderte bei anderen Völkern wie den Germanen das Bedürfnis nach ähnlichen Gütern und inspirierte Warenproduktionen eigener Ausprägung. Mit dem Zerfall des Reichs in Ost- und Westrom sowie dem Beginn der Völkerwanderung verebbte der Fernhandel zunächst.

Die erste Weltwährung

Zwischen 750 und 1100 beherrschten die Wikinger den Handel von Nordeuropa aus. Ihr Aktionsradius erstreckte sich über Russland bis nach Byzanz und Zentralasien, über den Atlantik ins arabische Nordafrika und nach Nordamerika. Die Auswertung diverser Münzfunde zeigt eine Dominanz deutscher Münzen als Zahlungsmittel. Ihr Internationalisierungsgrad damals ist Schätzungen zufolge vergleichbar mit dem des US-Dollars 1995.