Eine kurze Geschichte des Handels

Erster globaler Handel

Den Westweg nach Indien brauchte die portugiesische Krone nicht zu finden, denn ein Vertrag mit Spanien sicherte ihr das alleinige Siedlungsrecht südlich der Kanarischen Inseln. Umso interessanter war die Idee einer Atlantikquerung für die Spanier, unter deren Flagge Christoph Kolumbus 1492 die Neue Welt entdeckte. Nun wurde die Iberische Halbinsel zum Zentrum des Welthandels. Portugal hatte das Monopol auf den Sklavenhandel. Das Land dominierte den Indischen Ozean: 1578 segelte erstmals ein Schiff ohne Zwischenhalt von Lissabon nach Malakka, dem Drehkreuz des China-Handels.

Eine kurze Geschichte des Handels

Spanien überschwemmte Europa mit Gold und Silber. Doch bereits 1577 vernichtete der Freibeuter Sir Francis Drake im Auftrag Königin Elisabeths I. die spanische Armada und ebnete englischen und niederländischen Kolonisatoren den Weg. Anders als die Portugiesen segelten sie nicht im Auftrag, sondern mit Lizenz ihrer Könige. Die Englische (EIC) und die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) waren multinationale Kapitalgesellschaften, die eigene Handelskolonien errichteten. Diese „Privatisierung“ des Handels – auch im europäischen und atlantischen Raum – trug maßgeblich zu Großbritanniens Aufstieg zur Weltmacht zur Zeit des Merkantilismus im 17. und 18. Jahrhundert bei. Dabei waren die Kolonien keine reinen Beschaffungs-, sondern auch Absatzmärkte, wie der große Dreieckshandel zeigt.

Explosion des Welthandels

Zeitgleich zu den Demokratiebewegungen in den USA und Europa im 18. Jahrhundert entstanden das Unternehmertum, das die Industrielle Revolution herbeiführte, und die Arbeiterschaft. Die Internationalisierung der Wirtschaft wurde vorangetrieben durch den technischen Fortschritt, aber auch eine nie dagewesene institutionelle Liberalisierung der internationalen Märkte: Der englisch-französische Cobden-Chevalier-Vertrag von 1860 diente als Vorbild für ein Netz bilateraler Verträge, das für Historiker den ersten gemeinsamen Weltmarkt begründete. Die Unterschiede der Preise zwischen den USA und Großbritannien – beispielsweise für Weizen und Rindfleisch – verminderten sich um die Jahrhundertwende dramatisch. Zwischen 1825 und 1900 stieg der Anteil des Handels an der Weltwirtschaftsleistung von 1 auf 8 Prozent. 2000 lag er bei 16 Prozent, was einem absoluten Anstieg um etwa das 600-Fache entspricht. Auch Kapital, Produktionsmittel und Arbeitskräfte waren beweglicher als je zuvor und bewirkten einen bisher nicht gekannten Wissens- und Kulturtransfer.