Eine kurze Geschichte des Handels

Abschottung zwischen den Weltkriegen

Schwerer als die Zerstörungen des Ersten Weltkriegs lasteten seine politischen Konsequenzen auf dem Welthandel: Die nationalistische Isolation fand auch auf den Märkten statt. Die Aufgabe des Goldstandards beeinträchtigte den Außenhandel zusätzlich. In dieser Zeit fiel das jährliche Wachstum der Exporte der Industrienationen von 4 Prozent vor 1913 auf 1 Prozent für die Jahre bis 1950.

Eine kurze Geschichte des Handels

Das „Handelswunder“ der Moderne

Die Einführung fester Wechselkurse auf der Bretton-Woods-Konferenz 1944 und das General Agreement on Tariffs and Trade (GATT), das allgemeine Zoll- und Handelsabkommen, von 1947 begründeten die aktuelle Ära des Freihandels. Das jährliche Exportwachstum der westlichen Industriestaaten betrug zwischen 1950 und 1973 durchschnittlich über 8 Prozent. Erst mit dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems und der ersten Ölkrise Anfang der 1970er-Jahre ging es auf 5 Prozent zurück. Die kontrovers diskutierte Amerikanisierung der Welt ist nur eine der kulturellen Folgen. In Deutschland ebnete diese Entwicklung den Weg für das Wirtschaftswunder und schuf die Grundlage unserer multiethnischen Wohlstandsgesellschaft. Seit dem Zusammenbruch des Ostblocks profitiert auch Osteuropa von multilateralen Handelsbeziehungen.

Gegenwart und Zukunft

Im 21. Jahrhundert gewinnt der virtuelle Handel immer mehr an Bedeutung: Dank Internet können selbst Privatleute Waren vom anderen Ende der Welt direkt zu sich nach Hause bestellen. Wertpapiere und Devisen, aber auch Güter wie Rohstoffe, Immobilien und Edelmetalle werden nicht mehr physisch übergeben, sondern wechseln teils mehrfach den Eigentümer, ohne jemals in dessen Verfügungs-gewalt zu gelangen. Dieser extremen Abstraktion der Ware stehen Projekte entgegen, die der Forderung der Verbraucher nach mehr Verantwortung im wirtschaftlichen Handeln gerecht werden: International agierende Handelsunternehmen bieten zunehmend nachhaltig produzierte Ware an. Sie schulen örtliche Zulieferer, um den Warenausschuss oder Ernteausfälle zu reduzieren. Damit suchen die Unternehmen heute den Wettbewerbsvorteil in der kulturellen und wissensbasierten Integration ihrer Partner.

Quelle: METRO GROUP

Mehr dazu: „Eine Verschiebung der Beziehungen“