Millennials

Verkaufskanäle miteinander verzahnen

Um dem neuen Einkaufsverhalten zu begegnen, setzt der Handel auf Multichannel- und Omnichannel-Strategien. Die Grenzen zwischen den Kanälen verschwimmen zunehmend. Viele Millennials, insbesondere die älteren Vertreter dieser Altersgruppe, kaufen jedoch weiterhin gerne in Geschäften. Eine Studie des ­BearingPoint Institute bezeichnet die Untergruppe der Millennials, die zwischen 1980 und 1990 geboren wurden, in dem Zusammenhang als Swing-Shopper. Sie machen sich keine Gedanken, ob sie offline oder online einkaufen wollen, da sie mit dem stationären Geschäft aufgewachsen sind, aber auch die Vorteile des Onlineshoppings kennen und in Anspruch nehmen. Die Swing-Shopper haben dabei jedoch keine Präferenz. Sie bilden demnach eine Zielgruppe, die den stationären Handel weiterhin nutzt.

Die Verzahnung der verschiedenen Verkaufs­kanäle ist wichtig, um die Millennials als Kunden langfristig zu halten. Das britische Modeunternehmen Burberry hat ein Pilotprojekt gestartet, um diese Zielgruppe in ihren Flagship-Store in London zu locken. Der Store ist als digitaler Erlebnispark gestaltet: Die Wände der Filiale sind mit großen Bildschirmen ausgestattet, auf denen Videos und Livestreams zu sehen sind. Zusätzlich sind die Burberry-Kleidungsstücke mit RFID-Chips versehen, sodass sie mit den digi­talen Elementen in der Filiale interagieren können. Wenn ein Kunde ein Kleidungsstück nimmt und sich damit einem der Bildschirme im Geschäft nähert – zum Beispiel in der Umkleidekabine –, erhält er dort relevante Informationen etwa zum Herstellungsprozess, aber auch Inspirationen vom Laufsteg.
Weblinks: 03 uk.burberry.com

Der Sportartikelhersteller Nike setzt hingegen verstärkt auf Kooperationen mit Bloggern. Das Unternehmen stellt Fashion- und Fitness­bloggern kostenlos Produkte zur Verfügung, die sie als Multiplikatoren den Millennials präsentieren. So waren beispielsweise die Damenschuhe aus der Ultra-City-Kollektion innerhalb weniger Stunden ausverkauft, nachdem eine Reihe einflussreicher Blogger sie auf Instagram und Facebook gezeigt hatten.

Kommunikation, Einkauf und Arbeitsleben – jeder dieser Bereiche ist auch durch die Millennials in Bewegung geraten. Zahlreiche Beispiele zeigen schon heute, wie sich ihr Denken und Handeln auswirkt – und wie Wirtschaft und Gesellschaft darauf reagieren können und müssen. Eines wird dabei besonders deutlich: Die Prozesse beschleunigen sich, denn schnelle Veränderung ist das, was die jungen Erwachsenen kennen und leben. Von Unternehmen erwarten Millennials, dass sie in Echtzeit und direkt mit ihnen kommunizieren – egal, ob im Geschäft, in sozialen Netzwerken oder über Corporate Blogs. Dafür müssen sich die Unternehmen neu aufstellen und beispielsweise ihre Social-Media-Kanäle täglich mit zielgruppen­gerechten Inhalten füllen. Auch um Millennials als künftige Mitarbeiter und Ideengeber für sich zu gewinnen, braucht es eine genau auf sie abgestimmte Ansprache. Hier liegen vor allem Cor­porate Blogs und authentische Mitarbeitervideos im Trend. Solche Ansätze sind längst keine optionalen Maßnahmen für eine Spezialzielgruppe mehr, sondern strategische Notwendigkeit. Denn die Millennials werden im Jahr 2020 etwa die Hälfte der erwerbstätigen Bevölkerung weltweit ausmachen. Und nur wer gut vorbereitet ist, wird im internationalen Wettbewerb um die jungen Köpfe erfolgreich sein und das eigene Unternehmen voranbringen: vernetzter, digitaler und anders.