Was ist eigentlich mit … Otto Normalverbraucher?

Was ist eigentlich mit … Otto Normalverbraucher?

„Geh’n Sie mit der Konjunktur“ – 1961 forderte das Hazy Osterwald Sextett in einem beliebten Schlager die Menschen zum Konsum auf. Dazu gab es allen Grund: Seit Mitte der 1950er-Jahre war die private Kaufkraft gestiegen, während die Lebenshaltungskosten stabil blieben.

Die Menschen hatten so erstmals mehr Geld für Luxusgüter übrig: Möbel, Autos, Reisen und Elektrogeräte. Im Vergleich zu heute war das Warenangebot in Zeiten von Petticoat, Nierentisch und Toast Hawaii allerdings begrenzt. Tante-Emma-Läden und erste Supermärkte prägten die Handelslandschaft. Der Konsum- und Verbrauchermarkt ist in den Industriestaaten heute in großen Teilen gesättigt. Mit einem Durchschnittseinkommen lassen sich nicht nur die Grundbedürfnisse erfüllen. Auch Luxusartikel sind erschwinglich. Das Angebot übersteigt vielfach die Nachfrage. Doch das war nicht immer so. Erst nach dem 2. Weltkrieg und den schweren Jahren des Wiederaufbaus verspürten die Menschen der 1950er-Jahre einen deutlichen Nachholbedarf beim Konsum: Sie wollten sich wieder etwas gönnen. Der Konsumgütermarkt war bis Ende des Jahrzehnts überwiegend ein reiner Verkäufermarkt. Das unternehmerische Risiko, auf Ware sitzen zu bleiben, war für die Händler gering. Ein Käufer- oder Kundenmarkt mit zunehmender Konkurrenz auf Anbieterseite entwickelte sich erst allmählich. So öffneten Anfang der 1960er-Jahre die ersten Aldi-Märkte und brachten das Discounterprinzip nach Deutschland: eingeschränkte Sortimente mit Produkten in guter Qualität zu günstigen Preisen.