Was ist eigentlich mit … Otto Normalverbraucher?

Otto Normalverbraucher

Der Begriff „Otto Normalverbraucher“ stammt ursprünglich aus dem deutschen Spielfilm „Berliner Ballade“ von 1948. Marktforscher nahmen ihn auf, um den Durchschnittskunden zu beschreiben. Ab Mitte der 1950er-Jahre gab Otto Normalverbraucher sein Geld nicht mehr nur für Lebensmittel, sondern zunehmend auch für Luxusgüter wie Bohnenkaffee und Nylonstrümpfe aus. Gegen Ende des Jahrzehnts stand den Konsumenten dann sogar Geld für Elektrogeräte wie Küchenmixer und Rasierapparate zur Verfügung. Das steigende Realeinkommen ermöglichte immer mehr Bundesbürgern erste Urlaubsreisen. Zunehmend wurden Tante-Emma-Läden von Supermärkten abgelöst, deren Kunden sich schnell an die Selbstbedienung gewöhnten.

Verbrauchertypen im Wandel der Zeit

Yuppies

In den frühen 1980er-Jahren brach die Ära der Yuppies an – der Young Urban Professionals. Gemeint waren junge, karrierebewusste Erwachsene aus der städtischen oberen Mittelschicht. Sie prägten als gesellschaftliche Gruppe den Zeitgeist: Konsum und materieller Wohlstand waren ihnen wichtig. Ihren Hedonismus drückten sie durch ihre Fixierung auf Markenprodukte, teure Kleidung und Wohnungseinrichtungen oder Luxusautos aus. Die Zahl der Single-Haushalte nahm zu. Gefragt war nicht mehr die Wohngemeinschaft der 1970er, sondern das gut ausgestattete, eigene Apartment in bevorzugter Lage. Kulinarisch standen Lachshäppchen, Nouvelle Cuisine und Champagner auf der Speisekarte.

Dinks

Zwei Einkommen, keine Kinder – die sogenannten Dinks (Double Income, No Kids), die ab den 1990er-Jahren einen neuen Verbrauchertyp prägten, standen in der Tradition der Yuppies. Dabei handelt es sich um Paare, die in der Regel zwischen 30 und 39 Jahre alt sind. Beide Partner sind voll berufstätig und gehören der oberen Mittelschicht an. Sie können in ihrem Leben andere Prioritäten als Paare mit Kindern setzen und beispielsweise mehr Geld für Konsum und Reisen ausgeben. Ihr hohes Haushaltseinkommen macht sie zusätzlich zu einer attraktiven Zielgruppe für die Werbung.

Verbrauchertypen im Wandel der Zeit

Lohas

Genuss ohne schlechtes Gewissen: Diesem Prinzip folgen die Lohas, Anhänger des Lifestyle of Health and Sustainability (übersetzt: gesunder, nachhaltiger Lebenswandel). Der Begriff wird seit Ende des vergangenen Jahrtausends verwendet. Er charakterisiert Verbraucher – meist mit hohem Bildungsniveau und hohem Einkommen –, die ihre Konsumentscheidungen daran ausrichten, die Lebensgrundlagen kommender Generationen zu erhalten. Sie wählen zum Beispiel bevorzugt Produkte, die unter fairen Arbeitsbedingungen und umweltgerecht hergestellt werden.

Woopies

Als Verbrauchertypus der Gegenwart und Zukunft immer bedeutendere Gruppe sind die Woopies, Well-off Older People oder, frei übersetzt, wohlhabende Senioren. Die älteren Konsumenten, meist zwischen 55 und 70 Jahre alt, profitieren von einer umfassenden Altersversorgung und verfügen über privates Vermögen. Wirtschaftlich stehen sie deshalb vergleichsweise gut da: Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) gibt die Generation der über 55-Jährigen in Deutschland jährlich rund 150 Milliarden Euro für Produkte und Dienstleistungen aus – und vereint damit fast 40 Prozent der gesamten Kaufkraft. Das Potenzial für den Handel ist aber weitaus größer. Die GfK schätzt die jährliche Kaufkraft der Woopies sogar auf 640 Milliarden Euro.

Quelle: METRO GROUP

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