Die ganze Welt auf dem Teller

Viel und deftig

Viel und deftig

So liebten es die Deutschen auch in der Neuzeit, als die von Hungersnöten geprägten Jahrhunderte vorbei waren, eher deftig. „Das Ideal der deutschen Esser war nach wie vor die große Portion“, schreibt Siebeck. Statt sich wie beispielsweise ihre franzö¬sischen Nachbarn in Feinschmeckerei zu üben, schworen die Deutschen weiterhin auf Eisbein mit Sauerkraut, Grünkohl mit Pinkel und dicke Eintöpfe. Im Zeitalter der Kolonialisierung tat sich beispielsweise das British Empire hervor, dessen traditionelle Kost besonders von den aromatischen Gewürzen der indischen Küche profitierte. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sorgten die beiden Weltkriege dafür, dass Deutschland kulinarisch brachlag. Not macht erfinderisch – und so brachte die gute Hausfrau in den kargen Jahren Brotsuppe und Steckrübengemüse auf den Tisch.

Neu und verlockend

In den Nachkriegsjahren waren es zunächst die Care-Pakete aus den USA, die die Deutschen mit Erdnussbutter und Cornflakes auf einen anderen Geschmack brachten. In den 1950ern weckten dann Coca-Cola und Ketchup die Sehnsucht nach dem „American Way of Life“. In der Zeit des Wirtschaftswunders wuchs der Appetit auf Neues: Die reiselustigen Deutschen lernten in Nachbarländern wie Italien und Frankreich die Vorzüge der mediterranen Küche kennen. Kochbücher wie zum Beispiel der Klassiker „Was Männern so gut schmeckt“ von Lilo Aureden aus dem Jahr 1954 halfen der deutschen Hausfrau dabei, landestypische Gerichte wie Spanisches Lammragout oder Ungarisches Paprikagemüse selbst zuzubereiten. Ab 1953 liefen die Kochsendungen des legendären Fernsehkochs Clemens Wilmenrod im Fernsehen. Sein berühmtestes Rezept: Toast Hawaii.