Die ganze Welt auf dem Teller

Fremd und vertraut

Fremd und vertraut

In Deutschland boomte die Wirtschaft. Das Land benötigte Arbeitskräfte und warb seit Beginn der 1950er-Jahre verstärkt Gast¬arbeiter an, vorrangig aus den Mittelmeerregionen. Wer seinen Unterhalt nicht mit Kohle und Stahl oder am Fließband verdienen wollte, eröffnete ein Restaurant. Sie hießen „Roma“, „Akropolis“ oder „Schwarzes Meer“ und brachten den Deutschen ein Stück Urlaub direkt vor die Haustür. Vor allem die italienische Küche prägte die hiesigen Essgewohnheiten. „Die Klassiker Spaghetti und Pizza stehen bei den Deutschen noch heute hoch im Kurs“, weiß Peter Kluth, Gastronomiefachberater bei METRO Cash & Carry Deutschland. Laut einer aktuellen Umfrage des Online-Marktforschungsinstituts Marketagent.com bezeichnen 46,1 Prozent der Befragten Pasta als ihr absolutes Lieblingsgericht. Pizza landet mit 37,3 Prozent an zweiter Stelle.

Exquisit und alternativ

Waren zu Beginn der 1960er-Jahre noch die italienische und die Balkanküche in Mode, so eroberten ein Jahrzehnt später zwei neue Trends die deutsche Küche. Wer es sich leisten konnte, wurde zum Liebhaber der französischen Nouvelle Cuisine: Mit Delikatessen und teuren Lebensmitteln ging Essen nun weit über das Sattwerden hinaus. Als Gegenpol dazu entwickelte sich vor allem in Studentenkreisen eine alternative Ernährungsform, die als erster Ansatz der Biobewegung gilt. Hier standen Müsli, Rohkost und Vegetarisches auf dem Speiseplan. Festgelegte Essenszeiten verschwanden, die Sitzordnung wurde aufgehoben.

Schnell und praktisch

Gegen all diese Strömungen setzte sich in den 1970er-Jahren eine neue Form der Ernährung durch, die unsere Esskultur bis heute nachhaltig beeinflusst: Fast Food. 1971 eröffnete die amerikanische Schnellrestaurantkette McDonald‘s ihre erste deutsche Filiale in München. Damit begann ein unvergleichlicher Siegeszug der schnellen Küche. Auch Dönerbuden, Bring-Dienste und Caterer sind eine Erfindung dieser Zeit. Schnell gehen musste es mittlerweile auch am heimischen Herd. Zumindest wochentags landeten immer häufiger Fertigprodukte, sogenanntes Convenience Food, und Tiefkühlkost im Einkaufswagen. Heute liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei 40,4 Kilo pro Jahr, Tendenz steigend.